W wie der Wille – ein windiger Geselle

ABC der Sucht. AnDi‘s Gedanken zur Zeit.
dieckmann

 

 

 

W wie der Wille – ein windiger Geselle

Ein starker Wille ist wie ein fester Glaube, eine Kraft, mit der viel erreicht werden kann. Die kroatische Fußballmannschaft, die kaum jemand auf dem Zettel hatte, hat es damit bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland bis in das Finale geschafft. Der deutschen Mannschaft hat der letzte Wille dazu gefehlt. Das sind Beispiele für ein Willensverständnis, bei dem es um die Umsetzungsfähigkeit geht. Bei einzelnen Menschen spricht man auch von Willensstärke oder -schwäche, wenn es um die Fähigkeit der Umsetzung in die Tat geht.

Ein Alkoholiker, der mitten in der Nacht einen Spätkauf für den Nachschub sucht, ist willensstark. Ein Rückfälliger, der sich sein erneutes Trinken nicht erklären kann, erklärt oft etwas vage: „Ich wollte wohl trinken“, obwohl er gerade das kurz zuvor eben nicht wollte!

Viele Betroffene, die ich während meines Berufslebens ein Stück des Genesungsweges begleiten durfte, vertraten die Ansicht, die Einhaltung der Abstinenz sei einzig und allein eine Frage des Willens.

Ich bin bei dieser Formulierung immer sehr skeptisch geblieben, weil ich mich kenne.

So erging es mir z.B. mit meiner Berufswahl so, dass ich nach den Erfahrungen meines Zivildienstes den Entschluss gefasst hatte, Medizin zu studieren. Mit meiner schulischen Vorbildung war das ein gewagter Plan. Während des Studiums „wollte“ ich trotz meiner klaren Entscheidung aber oft nicht lernen, sondern in den Ferien lieber das Leben genießen. Ich habe dennoch – gegen meinen Willen – gebüffelt, um mein Ziel zu erreichen. Das war die Konsequenz meiner Einstellung, mit der ich mein Ziel verfolgt habe. Mein Wille war dagegen oft ein ganz anderer.

Vielleicht denken Sie da ganz anders! Ich möchte hier auch beileibe nicht den Besserwisser spielen, sondern Sie nur anregen, darüber nachzudenken, was Sie unter dem Begriff „Wille“ verstehen.

Wer einmal verstanden hat, dass die Sucht ein Teil seiner Persönlichkeit geworden ist, der versteht auch, dass man mit dem Mittel der Abstinenz sein Leben erhalten kann, ob man es „will“ oder nicht! Ein Trinkwunsch ist der „Wille“ zum Trinken, was sonst! Nüchtern zu bleiben, auch gegen den eigenen Willen, ist die Einstellung, sich von seiner Sucht nicht in Geiselhaft nehmen zu lassen.

Viele kluge Menschen haben über den Willen nachgedacht. Manche haben sich gar gefragt, ob es einen freien Willen überhaupt gibt.

Der Wille kann ein windiger Geselle sein! Er richtet sich nach den Wünschen und Begehrlichkeiten und nicht immer nach dem Sinnvollen. Die Willensstärke, sich sein „Genussmittel“ zu besorgen, hat ein suchtkranker Mensch immer! Diese Stärke gilt es jedoch für ein Leben einzusetzen, welches weniger selbstschädigend ist.

Bleiben wir also auch beim Bedenken, Nachdenken und Umdenken besonnen,

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AnDi