AnDi: Gedanken zur Zeit

AnDi und seine Gedanken zur Zeit:

Das Klima, die gesellschaftliche Gerechtigkeit und Du

Jetzt ist sie endlich da – die Grundrente. Menschen müssen nach 35 Arbeitsjahren nicht mehr zusätzliche Transferleistungen beantragen, um wenigstens mit bescheidenen Ansprüchen über die Runden zu kommen. Das hat etwas mit der Würde zu tun, die nach unserer Verfassung unantastbar sein soll. Was mich erstaunt: Wissen wir das erst jetzt? Die Rentenversicherung gibt seit ewigen Zeiten jährlich bekannt, mit welcher Rentenhöhe wir rechnen können, wenn wir weiter die Beiträge in der augenblicklichen Höhe entrichten.

Mit dem Klima ist es nicht anders. Ich kenne die Diskussion schon aus dem Elternhaus und unüberhörbar mit dem Auftauchen der Grünen ab 1980. 29 Jahre später beschließt der Deutsche Bundestag ein Klimapaket mit dem Gewicht eines Luftpostbriefes, von dem schon jetzt alle wissen, dass das ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Der geneigte Leser wäre sicher wie ich ebenfalls in der Lage, die Liste solcher Beispiele zu verlängern. Ich wusste übrigens auch schon sehr lange, wie es um die Ungleichheit in der Gesellschaft steht. Ich weiß, dass die Paketboten zu einem lächerlichen Lohn arbeiten und kaum zu einer vernünftigen Rente kommen werden. Trotzdem: Ich habe Dinge, die es fußläufig zu erwerben gibt, zuschicken lassen. Ich habe zur Geschäftswüste beigetragen und bei der Arbeitsplatzvernichtung durch solches Verhalten mitgewirkt. Zum Klimathema will ich mit der Selbstbezichtigung gar nicht erst anfangen.

Ich erschrecke mich regelmäßig über so wenig Vorausschau und Vordenken. Dabei weiß ich doch, dass Politiker und Verantwortliche in Institutionen nur in ihren Verantwortungszyklen denken. Bei der nächsten Abrechnung des Rentenvermögens der Bundesrepublik 2025 sind viele Verantwortliche schon weitergewandert. 2030, bei der kritischen Sichtung der (nicht) erreichten Klimaziele, wird man die heutigen Kompromissler nicht zur Verantwortung ziehen können.

Wir aber, die Individuen in dieser Gesellschaft oder wo auch immer in dieser Welt, tragen die Verantwortung für unser g a n z e s Leben, das inzwischen fast die 100-Jahrgrenze touchieren kann. Aus der Nummer kommt man mit der Bemerkung, man sei ja kein Hellseher, nicht heraus. Es gibt Dinge, die kann man vorhersehen. Wann ein Auto Ölwechsel braucht, dass es im Winter vermutlich (noch) kalt wird, dass ein Süchtiger irgendwann wieder Suchtdruck spürt. Das lehrt uns die Erfahrung. Wer kaum eindeutige Erfahrungen gemacht hat, hat aber die Chance, das Erfahrungswissen anderer Menschen zu nutzen. Das tun schon lange Millionen von Alkoholikern in der ganzen Welt – und zwar solche, die langfristig trocken zu bleiben planen! Sie nutzen die Erfahrung derer, die mit der Vorausschau von 24 Stunden abstinenten Lebens klarkommen und das einfach täglich wiederholen, manchmal für ein ganzes Leben.

Natürlich gibt es Menschen, die so gegensätzliche Erfahrungen in ihrem Leben hinter sich haben, dass sie dem nicht trauen können, vielleicht sogar sich selbst misstrauen. Aber auch sie können sich belesen, beraten lassen, vielleicht sogar Freunden mit Erfahrung Vertrauen schenken. So ist es möglich, ein weniger selbstschädigendes Leben zu führen. Das gilt natürlich dann auch nicht nur für die persönlichen Entwicklungen, sondern auch für das Klima und die Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Hier sind wir logischerweise nicht allein verantwortlich, aber wir können reden, unsere Einstellung an den Meinungen anderer überprüfen und Gleichgesinnte suchen.

Ich finde es befreiend, mich damit auseinanderzusetzen, was mein Handeln bewirkt. Das ist umso spannender, weil es ja auch wieder zu mir zurückkommt. Ich weiß, dass ich meist einen guten Kontakt zu Menschen habe, zu denen ich durchgehend freundlich bin. Ich weiß aber auch, dass ich mich nicht unbedingt wundern muss, dass mich der Nachbar nicht grüßt, wenn ich ihn unnötig grob darauf hingewiesen habe, dass sein Zigarettenrauch mich stört. Ich weiß, dass meine kurzen Autofahrten besonders belastend für die Umwelt sind und ich weiß, dass ich Bewegung brauche. Dann fällt es mir weniger schwer, kleine Einkäufe zu Fuß zu erledigen.

Wozu das alles? Ich spüre wieder, wie gut es mir tut, mich mit den politischen und gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen und mich anschließend zu fragen, ob ich persönlich etwas damit zu tun habe. Meist übrigens schon,

sinniert

AnDi