Rapper Silla: 4,9 Promille, Klinisch tot. Heute abstinent

Rapper Silla im Gespräch mit der TrokkenPresse:

4,9 Promille, klinisch tot – heute abstinent

Silla trat, wie in der letzten Ausgabe der TrokkenPresse berichtet, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Partydrogen auf. So öffentlich zu seiner Sucht und Suchtbewältigung stehend, hatte er 2016 schon seine Biographie herausgebracht: „Vom Alk zum Hulk“, in der er sein Leben von den Kindesbeinen an bis zum 32. Lebensjahr schonungslos offenlegt (siehe Lesehalle). Die TrokkenPresse wollte von ihm wissen, wie es danach weiterging und weitergehen wird mit dem Musiker, der einst Godsilla war. Zum Interview erschien der Rapper und Sportler mit dem Fahrrad, nicht mit dem im Bild gezeigten Automobil.

Du hast in Deinem Buch „Vom Alk zum Hulk“ sehr öffentlich Rechenschaft über Dein Leben bis 2015 abgelegt. Weshalb?

Als ich da das erste Mal richtig lange abstinent war, 16 Monate, kam mein Platten-Label auf mich zu, sie hatten gute Kontakte zum Riva-Verlag. Das war für mich eine willkommene Sache, um aufzuzeigen, dass man es schaffen kann, dass es geht, auch wenn es ein ewiger Kampf ist. Viele Leute hatten mich angeschrieben, dass sie mich als so etwas wie ein Idol sehen und gefragt, wie ich es schaffe, trotz der Sucht meine Sachen auf die Reihe zu bekommen. Ich habe es ja ab und zu, Wochen, Monate … Ich bin ein Extremmensch, entweder Vollgas, Sport, korrekte Ernährung und einen durchstrukturierten Tagesablauf oder das komplette Abstürzen und zwei Wochen 1 Liter Schnaps trinken und alles dreht sich um den Konsum. Aber ich hatte immer wieder die Hoch-Zeiten und zeige, dass es doch geht. Und dass vor allem Strukturen nötig sind.

Dein Buch endet mit den Sätzen: „Ich bin bereit für den Kampf gegen mein Ich. Für das nächste Kapitel. Für einen neuen Anfang“. Wie sah der Neuanfang 2015 aus, nach der Klinik? Gab es noch mehr Anfänge seitdem?

Ich war acht Wochen in der Klinik. Der Grund war, dass ich eine große Trennung von einer Frau zu verschmerzen hatte. Da drinnen hatte ich meinen festen Tagesablauf, mich wieder super gefühlt, am Rande der Überheblichkeit: So, jetzt krempele ich mein Leben total um. Und dann hat es keine drei Wochen gedauert, bis ich meine Unzulänglichkeit begriff. Ich hatte in der Klinik noch mit der Frau Kontakt gehalten und dachte, versuch’ s noch mal. Aber sie hatte während der Zeit mit einem Neuen angebandelt. Das hat wieder meinen Selbstwert getroffen, so dass ich drei Wochen nach der Behandlung rückfällig wurde.
2016 bin ich mit dem Album vom „Alk zum Hulk“ auf Tournee gegangen, dann hatte ich auch das Buch fertig und meine jetzige Frau kennengelernt, von der ich mich allerdings jetzt wieder in der Scheidung befinde.
2016 war ein Superjahr, ich war abstinent bis auf zwei Tage.
Dann ging es wieder los, Probleme in der Ehe und wieder Alkohol als Stresslöser eingesetzt. Die Noch-Frau ist angehende Zahnärztin, sie meinte, die Sucht sei gar nicht mein Problem, Du hast eine Persönlichkeitsstörung, Du hast dies und Du hast das Problem. Wenn jemand so auf dich einspricht, dann beginnst du das zu glauben, du fängst an, darüber zu lesen und glaubst, du bist totalgestört.
Ich arbeite das aber gerade in der Therapie auf. Es sind Angststörungen, die ich habe und manchmal mangelndes Selbstbewusstsein, das Gefühl der Ablehnung und Konfrontation, diese vier Bereich sind Gründe, warum ich zum Stoff greife. Es ist natürlich nicht leicht, mit mir in Rückfallphasen mit mir umzugehen, weil ich nur an den Stoff denke, ich werde dann nicht gewalttätig oder so, ich bin dann in meiner Welt und versuche alles, um mir den Stoff zu besorgen. Drei, vier, vierzehn, mitunter fünfzehn Tage ging das so. Dann fing die Frau an, mir das Portemonnaie wegzunehmen … da bin ich in den Supermarkt und habe direkt aus dem Regal getrunken, einfach weil ich die Erleichterung brauchte in dem Moment. Ich erschrecke mich, wenn ich daran denke, wie schlimm das ist. Wenn man die Leute vor dem Supermarkt sitzen sieht, dann denkt man, der soziale Abstieg ist noch weit weg, aber ich weiß, wenn du den letzten Halt verloren hast, dann sitzt du mit ihnen da, das ist abschreckend, soweit darf’s nicht kommen.

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