Anthroposophische Entgiftungsbehandlung

Entgiftungsbehandlung im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe:

Wie Leberwickel, Keimzumpe, Plastizieren &Co helfen können

Das Gift muss erst mal raus … Deshalb steht vor einer Entwöhnungstherapie meist die Entzugsbehandlung. Entweder die reine Entgiftung auf einer psychiatrischen Station im Krankenhaus für sieben bis zehn Tage – oder die qualifizierte Entgiftung mit Therapieangeboten für 21 Tage.
Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit, wie im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin-Kladow: Die qualifizierte/motivierende Entgiftung in 10-12 Tagen. Hier sind die suchterkrankten Patienten auf einer Station für Innere Medizin und einer Station für Psychosomatische Erkrankungen untergebracht. Alkoholkranke entgiften neben Patienten mit Leberzirrhose, von Drogen Abhängige auf einer Station mit psychosomatischen Patienten.
Und noch etwas ist in Havelhöhe anders als anderswo: Es ist eine Anthroposophische Klinik. Deshalb ist auch in der Entgiftung einiges etwas anders als anderswo … Was genau, dazu mehr im folgenden TrokkenPresse-Gespräch mit Dr. med. Michaele Quetz, Leitende Ärztin Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Dr. med. Dirk Buchwald, Stellvertretender Leitender Arzt Gastroenterologie und Suchtmedizin.

Um das vorab klarzustellen: Eine esoterische Privatklinik ist das hier nicht?
Dr. Quetz: Nein, wir sind offen für alle Menschen, die krankenversichert sind, egal, wo sie wohnen, und die Behandlung wird von jeder Krankenkasse bezahlt.

Und man muss auch kein Anthroposoph sein?
Dr. Buchwald: Nein, uns geht’s nicht darum, dass die Patienten das Anthroposophische unserer Therapien verstehen, sondern es geht um das Erleben selbst. Und dass sie in diesem Erleben zum Beispiel wieder Selbstvertrauen, Selbstgefühl für sich schöpfen und daraus Entscheidungen für sich selbst finden können.

Was ist anthroposophisch an Ihrer Entzugsbehandlung?
Dr. Quetz: Wir gehen davon aus, dass wir alle unsere leiblichen und seelischen Kräfte haben und uns gesund fühlen, wenn wir diese ungefähr im Gleichgewicht halten können. Wenn ich aus dem Gleichgewicht gekommen bin, fühle ich mich krank. Wenn ich in die Sucht geraten und in der Entgiftungsphase bin, da bin ich aus dem Gleichgewicht gekommen. Das Anthroposophische an der der Therapie ist jetzt: Wie können wir dem Patienten ganz individuell helfen, wieder in sein Gleichgewicht zu kommen? Und dort anzukommen, wo er hingehen will? Dafür gibt es leibliche und seelische Therapien.

Was gehört zu den leiblichen Therapien?
Dr. Buchwald: Zum Beispiel die körpernahen Therapien wie das Plastizieren, also das Arbeiten mit Ton, was ja sehr mit dem Körper zu tun hat, mit den Händen. Und der Patient hat auch seine eigenen Vorstellungen, die er in den Ton hineinbringen möchte. Der Therapeut schaut sich an, was mit diesem freien Klumpen Ton geschaffen wurde, und entwickelt daraus Ideen, was man jetzt in dieser Therapiewoche verändern könnte. Er liest Gesten und Bewegungen aus diesem Ton heraus. Als Beispiel: Wenn jemand dazu neigt, in den Ton sehr stark mit den Fingern hinein zu graben, Höhlen und Löcher zu machen, ist das eine entgegengesetzte Bewegung zu der des Aufbaus, der Fülle, des Herausarbeitens aus dem Ton.
Dr. Quetz: Auch die Medikamente gehören zur leiblichen Therapie, sowohl die schulmedizinischen als auch die anthroposophischen, dann äußere Anwendungen wie Leberwickel …
Dr. Buchwald: … ja, bei den Medikamenten nutzen wir vor allem Bryophyllum, auch Keimzumpe genannt. Eine Pflanze mit starken Wachstumskräften, sie bildet an Blatträndern viele neue Ableger. Sie kann stark die Lebens-Kräfte unterstützen, die in der Suchterkrankung verloren gehen. Gleichzeitig führt das auch zu einer seelischen Beruhigung. Die Patienten erleben das als stark beruhigendes Medikament. Es wird sofort bei Ankunft dreimal am Tag gegeben.
Dr. Quetz: Auch die Überwachung würde ich zu den leiblichen zählen …
Dr. Buchwald: … und die Pulskontrolle. Wir arbeiten ja nach dem AES score, der Alkoholentzugssyndrom-Skala. Das bedeutet, dass die Pflegekräfte regelmäßig zu den Patienten gehen, Puls und Blutdruck kontrollieren, das Händezittern, die innere Unruhe, das Schwitzen beurteilen, und daraus dann einen Score bilden. Und wenn der einen bestimmten Wert überschreitet, dann erst würden wir eine schulmedizinische Maßnahme zur Entzugskontrolle anwenden.
Dieser häufige, intensive Kontakt wirkt auch beruhigend. Dieses Gefühl, ich bin aufgehoben, ich bin nicht alleine in meinem Entzug, unterstützt den Entzug sehr. Und das führt auch dazu, dass man gar nicht so oft zusätzlich Medikamente einsetzen muss.

Lesen Sie weiter in unserer Druckausgabe … Wie erwerben? https://trokkenpresse.de/kaufen/