In Bewegung kommen und bleiben

Wie Sport und Bewegung beim Weg aus der Sucht helfen und die Selbstwirksamkeit stärken

In Bewegung kommen und bleiben

Sport und Alkohol passen nicht gut zusammen, wohl aber Sport und Nüchternheit.
Wie Sport und Bewegung in der Entwöhnung eingesetzt werden, erklärt Dr. med. Alexander Tilmann Stoll, Chefarzt der Entwöhnungstherapie der Hartmut-Splitter-Fachklinik, in einem Gespräch mit der TrokkenPresse

Was sind Gründe dafür, Sport und Bewegung in die Suchttherapie zu integrieren?

Hartmut Spittler, unser erster Chefarzt, wusste schon 1972 um die Bedeutung von Sport und Bewegung in der Suchttherapie und schon den alten Römern war klar: „mens sana corpore sano“, ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Körper und Seele gehören zusammen, beides ist wichtig zu trainieren. Von daher nehmen wir die körperliche Fitness, das körperliche Wohlergehen und die körperlichen Empfindungen, die in der Abstinenz nochmal stärker wahrnehmbar werden, mit in den Blick.

Brauchen alle PatientInnen und RehabilitantInnen eine Stärkung ihrer körperlichen Fitness? Konsum führt letztendlich zu Bewegungsmangel, sowohl geistig als auch körperlich. Nicht selten kommt es zum Rückzug, bis hin zur Isolation. Der Aktionskreis schrumpft zweifelsohne. In der Entwöhnungstherapie wollen wir es genau andersrum machen, nämlich den Aktionskreis erweitern und das auch über körperliche Fitness.

 Wie sehen die Angebote aus?

Für den individuellen Bedarf gibt es gezielte Krankengymnastik, um bestimmte Muskelgruppen und Nervenstränge anzusprechen. In der allgemeinen Bewegungstherapie kann man leicht mit Yoga, Laufen oder Nordic Walking starten. Wir haben auch eine Fußball- und eine Volleyballmannschaft. Beide Gruppen sind mit der sogenannten Drogenliga verbunden. Darüber kann die Mannschaftsbeteiligung später in der Abstinenz als sportliche Selbsthilfe weitergeführt werden. Zudem gibt es eine Schwimmgruppe. Zur eigenen Betätigung stehen Fitnessräume mit Geräten für Ausdauer und Krafttraining und Gymnastikräume zur Verfügung.

Sind die Sportgruppen nach Geschlechtern getrennt?

Das ist ein wichtiges Thema. In der Bewegungstherapie gibt es reine Frauengruppen mit weiblicher Therapeutin. Auch beim Schwimmen oder beim Yoga sind getrennte Gruppen sinnvoll. Die restlichen Gruppen sind gemischt. In Räumen fürs freie Üben sind ausgewiesene Zeiten Frauen vorbehalten.

 Wie bilden sich die körperlichen Schäden durch den Konsum ab und was gibt es zu tun?

Alkohol ist ein starkes Nervengift. Er knabbert Nervenzellen stärker an als andere Suchtmittel, wie Amphetamine, Kokain oder auch Cannabis. Das Therapieziel ist, das Zusammenspiel zwischen Nerv und Muskulatur zu trainieren, sodass viele Alltagsdinge, wie Treppensteigen oder die Bordstandkante elegant zu nehmen, wieder möglich werden. Wir wollen erreichen, dass über eine funktionierende Ansteuerung der Muskulatur Kraftaufbau und eine verbesserte Koordination wieder möglich werden.

Welche Aspekte auf psychischer Ebene spielen eine Rolle?

Es geht immer um beides, Körper und Seele stehen in Wechselwirkung …

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